Morphologischer Kasten

Nach seinem Erfinder Fritz Zwicky soll mit dieser Technik eine "Totallösung" zu einem gegebenen Problem ermöglicht werden. Die Technik zerlegt ein Problem oder eine Herausforderung zunächst in Einzelteile, die anschließend wieder mannigfaltig kombiniert und zusammengesetzt werden. Die Bezeichnung Morphologischer Kasten ist etwas irreführend, üblicherweise wird eine Art morphologisches Tableau verwendet.

Morphologischer Kasten - Eignung

Erzeugung einer Ideenvielfalt besonders für Produktverbesserungen, Updates und Produktneuformulierungen über die systematische Zerlegung komplexer Sachverhalte in abgrenzbare Einzelelemente (Problemparameter), Gestaltvariation der Einzelelemente und Kombination von Gestaltvariationen zu neuen Gesamtlösungen.

Morphologischer Kasten - Wie es funktioniert?

Der Morphologische Kasten bietet die Möglichkeit, zu einem gestellten Problem die Totalität der denkbaren Lösungen aufzuzeigen. Dazu sind die variablen Gestaltungselemente (= Parameter) potentieller Lösungen aufzustellen. Sie werden als Vorspalte einer Tabelle angeordnet.

Hinter jeden Parameter werden nun alle denkbaren konkreten Ausführungsmöglichkeiten (= Ausprägungen) aufgelistet. Einzelne Lösungsalternativen entstehen dadurch, dass man aus jeder Parameterzeile irgendeine Ausprägung wählt und diese (durch Linien) miteinander verbindet.

Das genetische Prinzip der Lösungsbildung ist also die systematische Kombination. Ein „Kasten“ im räumlichen Sinne entsteht nur dann, wenn die Morphologie aus 3 Parametern besteht, die in x-, y- und z-Richtung angeordnet werden. Zur praktischen Arbeit ist dies jedoch weniger zu empfehlen.

Kommen wir nun zur Verdeutlichung zu einem konkreten Beispiel:

Unser Problem: „Es liegen seit geraumer Zeit Kundenbeschwerden über die schlechte Qualität der Scharniere an unseren Garagentoren vor. Besonders, dass schon nach einigen Wochen einsetzende Quitschen wird moniert.“

Zunächst ist es jetzt wichtig nicht in eine zu enge Problemsichtweise zu geraten wie etwa: „Wie verbessern wir die Torscharniere so, dass sie jahrelang geräuschfrei arbeiten?“ Mit etwas Abstand betrachtet kann die Aufgabenstellung wie folgt erweitert werden: „Wie entwickeln wir unsere Torkonstruktion so, dass sich das Tor über Jahre geräuschfrei öffnen und schließen lässt?“.

Nun sammeln wir zuerst die Parameter, die unsere Torkonstruktion in ihrer Gesamtheit darstellen.
Zum Beispiel:

- Material des Garagentores
- Typ der Toröffnung
- Material des Torrahmens
- Typ des Schlosses

Jetzt erstellen wir den morphologischen Kasten und schreiben alle möglichen Ausprägungen an die Parameter, die diese haben könnten.

Parameter

Ausprägung 1

Ausprägung 2

Ausprägung 3

Ausprägung 4

Material des Tores

Aluminium

Kunststoff

Holz

Keramik

Typ der Toröffnung

Rolltor

Segmenttor

Flügeltor
auf Schienen

Klapptor mit Scharnieren

Material des Rahmens

Aluminium

Kunststoff

Holz

Keramik

Typ des Schlosses

Schnappschloss

Schloss mit Schlüssel

Gurtbänder

Reißverschluss


Schritt 1:

Situationsbeschreibung
Zunächst muss die Aufgabenstellung und die Ausgangssituation sehr detailliert beschrieben vorliegen.


Schritt 2:

Bestimmung der Parameter des Problems


Parameter sind die bei allen Lösungen wiederholt auftauchenden Merkmale, die unterschiedlich gestaltet sein können.

Hilfsfragen zum Finden der Parameter: Worin (Merkmale, Eigenschaften, Komponenten) können sich denkbare Lösungen unterscheiden? Welche Lösungskomponenten lassen unterschiedliche Gestaltungen zu?

Schritt 3:

Anordnen der Parameter

In der entsprechenden Vorspalte einer vorbereiteten Tabelle

Schritt 4:

Für jeden Parameter wird jetzt jede denkbare Ausprägung gesucht und in die Parameterzeile eingetragen.
Durch Kombination der einzelnen Ausprägungen (im Prinzip) jedes Parameters können neue Lösungen synthetisiert werden. (Unter der Annahme, alle Parameter mit allen Ausprägungen erhoben zu haben, sind nun auch alle denkbaren Lösungen in der Tabelle enthalten.)

Schritt 5:

Nun werden alle denkbaren neuen Kombinationen mit Strichen verbunden und so sichtbar gemacht.

Schritt 6:

Die von einzelnen Gruppenmitgliedern favorisierten Lösungen werden im gemeinsamen Prozess in der Evaluierungsphase bewertet (Natürlich auch unter Anwendung weiterer Techniken und Methoden).

Benno van Aerssen zum Morphologische Kasten

Morphologischer Kasten als Kreativtechnik für mehr Produktideen
Benno van Aerssen übt den Morphologischen Kasten ein für mehr Produktideen

Notwendige Erfahrungen:
Gründliche Fachkenntnis des behandelten Aufgabengebietes ist Voraussetzung. Um die Möglichkeiten der Methode voll auszuschöpfen, sind vertiefte Anwendungserfahrungen sehr zu empfehlen. Bescheidene Morphologien können aber auch bei Erstversuchen immer gelingen.

Da besonders das Finden der Parameter aus der Erfahrung als schwierigster Schritt empfunden wird, einige weitere
Tipps:

• Die Parameter müssen voneinander logisch unabhängig sein , damit die freie Kombinierbarkeit gegeben ist.
• Die Parameter müssen auf alle denkbaren Lösungen zutreffen können und nicht nur für eine Teilmenge des Problems gültig sein.
• Die Parameter sollen konzeptionelle Relevanz besitzen und nicht unwesentliche Details der gesuchten Lösung beschreiben.

Die Erstellungszeit kann beim Erstellen komplexer Morphologien durchaus sehr groß sein und mehrere Tage oder gegebenenfalls sogar Wochen in Anspruch nehmen.


Vorteile:

Ein gut ausgearbeitetes Totallösungssystem kann wertvolle Erkenntnisse über alle Innovationspotentiale im Rahmen der Aufgabenstellung vermitteln. Die Methode sollte häufiger bei Targets angewendet werden, die für den Anwender im Hinblick auf Innovationen von elementarer Bedeutung sind.

Nachteile:

Bei Erstanwendung oder fehlendem Expertenwissen gibt es häufig Fehldefinitionen der Parameter oder Inkonsistenzen auf der Ebene der Ausprägungen.