Synektik

Synektik (Zusammenfügen) ist eine eher unbekannte Kreativitätstechnik, die unbewusst ablaufenden Denkprozesse anregen soll. Auch diese Methode trägt produktiv zur Ideenfindung bei.


 

Mit Hilfe von Analogien erfolgt eine schrittweise Verfremdung eines zu bearbeitenden Problems.

Durch diesen neuen sachlichen Abstand vom Problem und von bekannten Lösungen führt es zu einer neuen Perspektive und neuen Lösungsansätzen:

Sehr ähnlich wie bei der Bisoziation werden zwei völlig von einander unabhängige Denkebenen mit dieser Technik zusammengeführt.

Als wesentliches Prinzip gilt: „Mache dir das Fremde vertraut und entfremde das Vertraute.“ Daraus können neue und überraschende Lösungsansätze und Ideen entwickelt werden.

Diese Technik wurde von William Gordon entwickelt und zum ersten Mal in seinem Buch „Synectics: The development of creative capacity“ 1961 vorgestellt.

 

Synektik - Eignung

Die detaillierte Analyse von komplexen Aufgabenstellungen, Produktneu- und weiterentwicklungen, sowie die Überwindung eingefahrener Denkstrukturen sind das spezielle Feld von Synektik.

Synektik - Wie es funktioniert

Eine Synektik-Sitzung besteht inklusive der Ziel- und Problemvorstellung aus elf aufeinanderfolgenden Schritten:

 

  • Schritt 1: Das Ziel dieses kreativen Prozesses wird kurz dargestellt.
    Beispiel: Wie kann eine Glasplatte möglichst einfach auf einem flachen Rahmen befestigt werden?

  • Schritt 2: Ein Experte erklärt dem Team das Problem im Detail.
    Die Problemstellung wird von der Gruppe diskutiert. Der Experte bleibt im Team. Es ist nicht notwendig, dass alle Teilnehmer über dasselbe Expertenwissen verfügen.

  • Schritt 3: Spontane Lösungsvorschläge einzelner Teammitglieder werden notiert.
    Beispiel: Saugnäpfe, Klammern, Klebefolie ...

  • Schritt 4: Das bestehende Problem ist gründlich erörtert. Das Problem wird neu definiert.
    Beispiel: Wie kann erreicht werden, dass die Glasplatte leicht wieder abgenommen werden kann?

  • Schritt 5: Erste direkte Analogien bilden.
    Es werden zum gestellten Problem Analogien aus anderen Bereichen gesucht.
    Wenn das Problem aus dem Bereich der Natur ist - Technik wählen oder umgekehrt.
    Die Analogiesuche erfolgt zum Beispiel durch Brainstorming. Nach Abschluss der Analogiephase wählt die Gruppe einen Begriff aus, der mit der Problemdefinition in sinnhaftem Zusammenhang steht.
    Beispiel: Schlange streift Haut ab, Geweih wird abgestoßen, Schnee schmilzt ...
    Gruppe wählt: Schlange streift Haut ab

  • Schritt 6: Persönliche Analogien bilden "Identifikationen".
    Der ausgewählte Begriff wird von der Gruppe aufgegriffen und es werden persönliche Analogien dazu gebildet. "Wie fühle ich mich als...." Die Teilnehmer beschreiben dies in 10-20 Zeilen. Gefühle werden als Tatsachen formuliert.
    Jeder Teilnehmer teilt seine Beschreibung den anderen mit. Der Moderator notiert signifikante Gefühle. Die Gruppe entscheidet sich wiederum für ein Gefühl, das mit dem gewählten Begriff aus Schritt 5 einen sinnhaften Zusammenhang bildet.
    Beispiel: Wie fühle ich mich als häutende Schlange?
    Es juckt, alte Haut engt ein, endlich frische Luft ...
    Gruppe wählt: alte Haut engt ein.

  • Schritt 7: Symbolische Analogie bilden "Kontradiktionen"
    Zum ausgewählten Gefühl von Schritt 6 werden nun "paradoxe" Buchtitel kreiert.
    Beispiel: bedrückende Hülle, würgendes Ich, lückenlose Fessel...
    Gruppe wählt: lückenlose Fessel

  • Schritt 8: Zweite direkte Analogie
    Die zweite direkte Analogie wird aus einem anderen Bereich als der Technik (Schritt 5) abgeleitet.
    Beispiel: Leitplanken der Autobahn, Druckbehälter, Schienenstrang ...

  • Schritt 9: Beschreibung und Projektion
    Jeder Teilnehmer wählt eine Analogie aus Schritt 8 aus und beschreibt diese umfassend. Die Beschreibung erfolgt in einer Form, als ob man es einem 4-jährigen Kind erklären würde. (ca. 5 Minuten) Anschließend stellt jeder Teilnehmer seine Beschreibung der Gruppe vor.
    Beispiel: Leitplanke: Blechprofil, verformbar, auf beiden Seiten.

  • Schritt 10: Rückprojektion
    Die Teilnehmer hören der Beschreibung zu und stellen eine Verbindung zum dargestellten Problem aus Schritt 4 her.
    Beispiel: Profilrahmen, knetartige Kugeln zwischen Glasplatte und Rahmen, Rahmen nur an zwei Seiten, Druckbehälter: steht unter Spannung. Diese Gedanken werden veröffentlicht und von der Gruppe vorerst im Brainstorming gesammelt. Anschließend wird unter der Fragestellung "Was hat diese Beschreibung mit unserer Problemstellung zu tun?" diskutiert.

  • Schritt 11: Zusammenfassung
    Die Gruppe erstellt eine Liste von Ideen und Lösungsansätzen zu der gestellten Aufgabe.
    Beispiel: „gekrümmter Rahmen erzeugt Spannung“
    Regeln: Regeln des Brainstormings sinngemäß anwenden.
    Auftraggeber und Moderator müssen die Aufgabenstellung genauestens vorbereiten. Die Teilnehmer sollten die Methode zumindest schon einmal geübt haben. Das Unternehmensumfeld und die Entscheidungsträger müssen die Vorgehensweise und Ergebnisse der Synektik akzeptieren.