Von "Gewohnheiten und Innovationen" mit Jörg Weisner

Jörg Weisner Autor von erfolgreiche Gewohnheiten
Jörg Weisner Autor von erfolgreiche Gewohnheiten

 

“Man muss Ideenfindung und Innovationsfähigkeit als omnipräsentes Thema mit Verflechtung in alle Lebensbereiche sehen” (Benno van Aerssen)

Aus diesem Grund ist Benno van Aerssen seit Jahren auch mit Experten aus den verschiedensten Themen und Disziplinen vernetzt um stets eine aktuelle und breite Sicht auf seinen eigenen Themenbereich sicher zu stellen.

Auf dieser Seite möchten wir Ihnen nun die spannende Themenklammer “Gewohnheiten” und “Innovationen” näherbringen. Dazu hat Benno van Aerssen mit seinem geschätzten Kollegen Jörg Weisner ein Interview geführt.

Jörg Weisner ist der Experte und das Maß der Dinge in Sachen “Gewohnheiten” und “Gewohnheitsänderungen”. Sein Buch  "Erfolgreiche Gewohnheiten: Vergiss Selbstdisziplin, erfolgreiche Gewohnheiten bringen Dich voran" begeistert besonders im Businesskontext die Menschen.

Benno van Aerssen und Jörg Weisner begleiten seit einiger Zeit auch gemeinsam Kunden um noch fundamentaler und nachhaltiger Innovations- und Changeprojekte zum Erfolg zu verhelfen.

 

Das Experten-Duo Interview

Jörg Weisner erfolgreiche Gewohnheiten
Jörg Weisners Buch "Erfolgreiche Gewohnheiten"

 

Benno van Aerssen: “Jörg - Wo verbinden sich in Deiner Wahrnehmung “Gewohnheiten” und “Innovationsfähigkeit”?


Jörg Weisner: “Da sehe ich eine Menge Verbindungen und möchte hier zunächst die vielleicht wichtigsten nennen.

Verbindung 1: Auf den ersten Blick erscheinen die beiden Begriffe konträr zueinander zu stehen. Denn wie soll jemand innovativ sein, wenn er alles immer wieder genauso macht, wie die Jahre zuvor - wenn seine Gewohnheiten total eingefahren sind. Klar - wenn man zu sehr in alten Gewohnheiten verhaftet ist, wird es schwer, über den berühmten Tellerrand hinauszudenken.

Hier ist es zunächst wichtig, sich überhaupt der bisherigen Gewohnheiten bewusst zu werden. Und wenn dieses Bewusstsein erst einmal da ist, dann lohnt es sich genauer hinzuschauen. Warum hält man an alten Gewohnheiten fest? Was gewinnt man dadurch? Und worauf verzichtet man automatisch auch?

Verbindung 2: Innovationsfähigkeit wird oft mit Kreativität zusammen genannt. Oft heisst es dann: „Ich bin einfach nicht kreativ“. Das wird in den meisten Fällen aber daran liegen, dass man bisher es einfach nicht gewohnt war, um die Ecke zu denken. Und genau das kann man trainieren, wie die Erfolge Deiner Seminare Benno ja beweisen.

Man kann also auch aus Gewohnheit kreativ sein. Sich einfach angewöhnen, immer noch einmal zwei, drei Denkschleifen extra einzubauen.

Verbindung 3: Was hilft die ganze Kreativität, wenn es nicht gelingt, neue Ansätze auch auf Dauer beizubehalten. Und genau hier hilft wieder die Gewohnheit. Nur wenn es gelingt, neue Verhaltensweise so lange durchzuführen, bis sie ins Unterbewusstsein übertragen werden, gibt es dauerhafte Umsetzungserfolge.

Hier helfen dann neue erfolgreiche Gewohnheiten, die Innovationen überhaupt auf die Straße zu bringen.”


Benno van Aerssen: “Jörg - Warum sollten wir den Zusammenhang zwischen diesen beiden Begriffen so ernst nehmen?

Jörg Weisner: “Wenn Du keine gute Innovationsfähigkeit hast, bleibst Du in alten Gewohnheiten stecken. Gewohnheiten sind sinnvoll und notwendig, können aber auch extrem hinderlich sein. Nicht umsonst heißt es oft: „Das größte Risiko ist der eigene Erfolg.“

Die Wechselbeziehung ist anders herum genau so spannend. Beispiel: Eine Firma ist sehr erfolgreich.  Sie ist erfolgreich, weil die Mitarbeiter viele gute Gewohnheiten haben. Solche Gewohnheiten haben es aber an sich, dass sie oft unbewusst ablaufen. Und damit ist das gleichzeitig die große Gefahr. Weil genau die Gewohnheiten, die lange sinnvoll und erfolgreich sind, das aber eben nur solange sind, bis die Umwelt sich ändert. Und wenn man das dann nicht mitbekommt, dann bekommt man auf Dauer Probleme. Und genau da kommt die Innovationsfähigkeit wieder ins Spiel, so nach dem Motto: Halt da ist was, oder da wird was kommen. Da zeichnet sich etwas am Horizont ab.

Das ist z.B. etwas was Steve Jobs sehr gut konnte. Er hat so weit vorausgeschaut und Dinge entwickelt, die die Kunden zum Zeitpunkt der Entwicklung noch gar nicht formulieren konnten. Gleichzeitig hat Apple aber viele Gewohnheiten in ihren Abläufen integriert, an denen sie sehr stur festhalten.”


Benno van Aerssen: “Jörg - Wann und wo hat der Zusammenhang zwischen Gewohnheiten und Innovationsfähigkeit direkten Einfluss auf die Wertschöpfung und den Erfolg eines Unternehmens?

Jörg Weisner: “Besonders im Zusammenhang mit Problemlösungen und im so wichtigen Umgang mit Fehlern. Du hast ein Problem oder hast einen Fehler, wenn Du jetzt aus Gewohnheit immer gleich an die Sache herangehst, dann kommst Du nicht zur Lösung. Ein Lösungsansatz wäre jetzt etwas anders zu machen. Wenn ich z.B. bisher immer alles allein gelöst habe, könnte ich jetzt versuchen, es mit einem Kollegen zusammen zu lösen.

Und es kommt jetzt noch ein Aspekt hinzu, der oft im Unbewussten versteckt ist. Nämlich die fehlende Bereitschaft, Fehler überhaupt zuzugeben und das verhindert zuverlässig die so wichtigen Gewohnheitsänderungen. Ich spreche oft von der “kulturellen Hypnose.” Ich arbeite in meinen Workshops gern mit den vier Lernstufen, von der “unbewussten Inkompetenz” bis hin zur “unbewussten Kompetenz”. Ich frage meine Teilnehmer sehr oft, wie fühlt Ihr Euch, wenn Ihr von der unbewussten Inkompetenz auf die Stufe der bewussten Inkompetenz stolpert oder geschubst werdet? - und hier sagen mir 99 % meiner Teilnehmer „da fühle ich mich schlecht, da habe ich Angst vor der Blamage“.

Warum ist das so? Weil wir in der Schule hypnotisiert wurden. Wenn wir nicht genau das gesagt, haben was der Lehrer hören wollte, dann haben wir eine schlechte Note bekommen.

 

Benno van Aerssen: “Jörg - Wie schätzt Du das KnowHow über das Themen-Duo “Gewohnheiten/Innovationsfähigkeit”  in den Führungsetagen deutscher Unternehmen ein?

Jörg Weisner: “Das gibt es kein KnowHow! Nicht in dem Sinne, das wir mit einem Manager in diesem Bereich erschöpfend diskutieren könnten. Es gibt schon Knowhow zum Thema Innovationsmanagement. Und es gibt vielleicht auch etwas KnowHow zum Thema Gewohnheiten. Aber über den Zusammenhang zwischen diesen beiden Begriffen und Feldern gibt es so gut wie kein KnowHow.”

 

Benno van Aerssen: “Jörg - Welche grundlegende Bedeutung hat der Faktor Gewohnheitsänderungsfähigkeit für die zukünftigen Businesspotentiale?”

Jörg Weisner: “Diese Fähigkeit ist sehr wichtig, weil es auf folgende Dinge ankommt:
1. Die Fähigkeit, die Gewohnheiten zu erkennen, die ich ändern möchte. Das heißt einmal die alten Gewohnheiten zu erkennen, die ich ändern möchte und dann die neuen Gewohnheiten erkennen, die ich aufbauen möchte - das gilt sowohl für eigene, als auch für Gewohnheiten anderer Menschen.

2. Und dann noch die Fähigkeit, diese neuen Vorgehensweisen auch noch so lange durchzuhalten, bis sie sich eben zu neuen Gewohnheiten aufgebaut haben.

Das Ganze steht im Zusammenhang wiederum mit der Innovationsfähigkeit, um zu erkennen, was sind die richtigen Gewohnheiten, die ich aufbauen sollte. Nur wenn Du Erfahrungen hast, mit der Gewohnheitsänderung, kannst du die Gewohnheiten ändern.

Ein konkretes Beispiel für Businesspotentiale und Gewohheitsänderungen: Die meisten Fitnesscenter haben ein sehr großes Problem, nämlich die Fluktuationsrate bei den Kunden, die ungefähr bei 30 % liegt. Das heißt umgerechnet, dass ein Fitnesscenter seine Kunden alle drei Jahre komplett erneuern muss. Was den Fitnesscentern helfen würde, ist den Kunden bewusst zu machen, dass sie das Krafttraining zu einer neuen Gewohnheit machen müssen.
Wenn Du das schaffst, dann brauchst Du dir über die Kundenfluktuation auch keine Gedanken zu  machen. Wenn Du es also schaffst, nicht nur Deine eigenen Gewohnheiten, sondern auch die Deiner Kunden zu ändern, dann kommst Du neuen Erfolgen und Businesspotentialen schnell näher.”

 

Benno van Aerssen: “Jörg - Was können Unternehmen ganz praktisch tun um mit Gewohnheitsänderungsfähigkeit die Innovationsfähigkeit zu verbessern?

Jörg Weisner: “Natürlich können wir das hier nicht allumfassend darstellen, das braucht schon etwas mehr Zeit. Aber es fängt durchaus mit sehr konkreten kleinen Maßnahmen, die wir Mitarbeitern als erste Aufgaben mit auf den Weg geben.

Versuche in den nächsten 30 Tagen immer einen anderen Weg zu Deiner Arbeitsstelle zu gehen, oder putze die nächsten 30 Tage Deine Zähne mit der anderen Hand. Mit diesen Übungen lernt man Energie in eine Gewohheitsänderung zu geben und aus seiner Komfortzone auszubrechen. Mit den Erfahrungen aus solchen Übungen gehen wir dann in die Reflexion der Gewohnheiten am Arbeitsplatz und in den Teams.

So rät auch z.B. Tim Ferriss in seinem Buch “Die 4 Stunden Woche” immer wieder dazu die Komfortzone zu verlassen und damit zu erweitern - aber was tun die allermeisten? Sich verharren in der Komfortzone, weil die eben gewohnt ist.”

 

Benno van Aerssen: “Jörg - Welchen Zusammenhang siehst Du zwischen Gewohnheitsänderungsfähigkeit und Innovationsgeschwindigkeit?

Jörg Weisner: “Was mich an dieser Frage reizt, ist das Paradoxon, was darin steckt. Wir brauchen eben beides. Man sollte sich also immer wieder fragen, ist das noch sinnvoll, was wir tun. Was das Spannende daran ist, ist die Frage: Wie kannst Du es schaffen, die bisherigen Gewohnheiten immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Dafür muss man sich aneignen, seinen Radarschirm so groß zu machen, um auch mögliche zukünftige Ansätze möglichst frühzeitig zu erfassen. Wenn die Gewohnheitsbewertung ein Faktor ist, dann zahlt dieser direkt auf die Innovationsgeschwindigkeit ein - und genau das ist den allerwenigsten bekannt. Welchem CEO oder welchem Unternehmer ist dieser Zusammenhang klar? Bisher so gut wie keinem!”

 

Benno van Aerssen: “Jörg - Wie wirkt sich ein gute Gewohnheitsänderungsfähigkeit auf Menschen aus?

Jörg Weisner: “Hier möchte ich ein interessantes Phänomen beziehungsweise unglaubliches Paradoxon nennen, dass durchaus nachdenklich machen soll. Viele Angestellte mit vielen alten Gewohnheiten fühlen sich sicher, weil sie eben fest angestellt sind. Dieses Gefühl wird noch gefördert z.B. durch die Kreditvergabepraxis der Banken. Angestellte gelten mit ihren “sicheren” Einkommen als kreditwürdig und werden meistens überflutet mit Kreditangeboten. Selbstständige hingegen müssen dafür meistens hart kämpfen und sind von ihrem Naturell oft flexibel und änderungsbereit. Sie müssen sich jeden Tag neu bewähren. Und haben sich daran gewöhnt.

Wer ist jetzt eigentlich sicherer? Wenn der Angestellte entlassen wird, fällt er oft in ein tiefes Loch aus dem er ebenso oft nicht herauskommt weil Flexibilität und umdenken nicht gelernt und möglich sind. Der Selbständige kann damit viel besser umgehen, weil er eben täglich flexibel und erfinderisch sein muss. Er hat es sich zur Gewohnheit gemacht, sich immer wieder neu den Veränderungen im Leben und im Markt anzupassen. Und diese Veränderungsfähigkeit oder wie Du es nennst Innovationsfähigkeit gibt ihm die innere Sicherheit.